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Jubiläum 2019 - Die Location

Im Bachtal von Bassenheim nach Mülheim, das laut Funden bereits seit der Steinzeit besiedelt war, liegt neben anderen Mühlen die „Lucas-Mühle“.

Im 18. Jahrhundert war das Bachtal die Hauptleitlinie des großen kurfürstlichen Gartens, der sich von Kärlich bis an die Grenze von Bassenheim erstreckte, einer Parkanlage mit Beeten, Promenaden, Springbrunnen, Grotten und zwei großen, breiten Alleen. Man hatte u. a. auch drei große Fischweiher mit Wasserkünsten angelegt. Einer dieser Weiher existiert heute noch unter dem Namen „Lucas-Weiher“.

Der Lucas-Weiher gehört zum Areal der Lucas-Mühle. Der arrangierte Gebäudekomplex besteht heute aus 5 Häusern. Davon stehen vier Gebäudeteile unter Denkmalschutz, einschließlich der Gartenmauer. Ein Gebäude befindet sich in der Denkmalzone.

Historisch betrachtet weiß man, dass eine Schleifmühle in der Kärlicher Gemarkung an einem großen Weiher im Jahr 1667 errichtet werden durfte. Ein Schmied erhielt hierzu die Erlaubnis, wöchentlich an anderthalb Tagen und in einer  Nacht zu schleifen. Geschichtlich belegt ist auch, dass sich auf diesem Gelände zu Zeiten des Kurfürsten Clemens-Wenzeslaus, der in Kärlich sein Jagdschloss bewohnte, wenn er nicht in Koblenz residierte, eine Spielmühle mit einem Wasserrad befand. Es gehörte neben einer angrenzenden Orangerie, einem Lusthaus, zur Ausstattung des eingangs genannten kurfürstlichen Gartens.

Nach dem Ende der  kurfürstlichen Zeit durch die Franzosen wurde das Anwesen von einem reichen jüdischen Kaufmann namens „Lucas“ gekauft. Er errichtete neben dem alten Gebäude der erwähnten Schleifmühle im Jahr 1801 ein Sommerhaus. Seit dieser Zeit wird das Anwesen unter den Namen „Lucas-Mühle“  und „Lucas-Weiher“ geführt.

Der Kaufmann Lucas, der aus beruflichen Gründen nach England ging, verkaufte seinen Besitz. Zu einem späteren Zeitpunkt erwarb Johann Jakob Zerwas den Besitz, betrieb am selbigen Ort eine Öl-  und schon eine Mahlmühle. Seine älteste Tochter heiratete August Dötsch, den Sohn des in Kärlich lebenden „Zehntgrafen“ aus kurfürstlicher Zeit. August Dötsch, der in einer Cottbusser Fachschule einen Müllermeister absolviert hatte, baute nachweislich 1937 im Trakt des Hauptgebäudes von 1801 eine neue Mahlmühle, baute außerdem etwa um 1901 an das Haupthaus einen weiteren Gebäudeteil und eine neue Scheune. Er betrieb neben der Öl- und Mahlmühle Getreide- und Obstanbau und Viehwirtschaft.

Die unverheiratete Tochter Maria Dötsch erbte nach dem Tod der Eltern das gesamte Anwesen. Sie wiederum vermachte es testamentarisch an ihre Nichte Helga Riechert, geb. Grasmück. Sohn und Tochter Helga Riecherts leben seit fast zwei Jahrzehnten mit ihren jeweils zwei Kindern in den denkmalgeschützten Häusern. Das bedeutet, dass die Lucas-Mühle heute als reiner Privatbesitz in der 6. Generation geführt wird.

Im Innenhof der Gebäude steht übrigens ein Brunnen aus dem kurfürstlichen Schloss zu Kärlich, den August Dötsch als Hochzeitsgeschenk von seinem Vater, der wie erwähnt kurfürstlicher Zehntgraf und später Schultheis von Kärlich war, für den Innenhof der Lucas-Mühle erhielt.

Text: Helga Riechert